Aktuell

Unser neuer Vereinskönig Sascha Gußdorf 2018/2019 mit dem 198. Schuss.

 

 

Anstehende Termine
  • 27. Juli 2019Majorsehrenabend NGK 19 Uhr, Stadhalle
  • 29. Juli 2019Marschübung NGK 19 Uhr, Rennbahnparkplatz
  • 2. August 2019Probe
  • 3. August 2019Oberstehrenabend Neuss ca. 20.45 Uhr, Wasserfall
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Chronik

Vorwort:

Bis zum Jahre 1904 bestand in Neuss kein festes Tambourkorps. Die Korps die zum Schützenfest aufspielten nannten sich Spielleutevereinigung und bestanden zumeist aus Spielleuten der umliegenden Dörfer. Die Uniform der Spielleute bestand aus langen, hellblauen Röcken und blauen Käppis, wie die Sappeure sie trugen. Der erste Tambourmajor hieß Schmitz und kam von der Düsseldorferstraße. Er trug keinen Waffenrock , sondern einen schwarzen, kurzen Rock, lange Stiefel und einen großen, an der Seite aufgeschlagenen Hut mit langen Hahnenfedern.

Der Nachfolger von Tambourmajor Schmitz war Sturm aus Grimmlinghausen.
An der Spitze der Schützenzüge spielten die verstärkte Lückche Kappelle mit sechzehn Mann und zwölf Spielleuten und bei Jägern die Bavariakappelle, Musikschule von Herne / Westfalen, mit zwölf Mann und vier Spielleuten. Als der Schützenzug in Neuss größer wurde, kamen bei den Grenadieren zwei Spielleute, und sechs Mann Musik auf je 15 Züge. Um 1900 spielte an der Spitze des Grenadierkorps die Kappelle der 8. Fußartillerie von Metz und bei Jägern die 19.Pioniere von Straßburg.

Zu den Anfängen:

Am Kirmesmittwoch anno 1903 kamen die ersten Interessenten zusammen und beschlossen ein Tambourkorps aus der Taufe zu heben. Die Gründer des Neusser Tambourkorps waren unter anderem Martin Limburg, August Hofer, Peter Kremer, Josef Deuss, und Hubert Klasen.
Im Jahre 1904 schließlich formierte man sich zu einer Gemeinschaft, die dann von Martin Limburg geführt wurde.
Martin Limburg wurde am 07. September 1876 Geboren. Als Kind einfacher Leute, dessen Mutter nach dem Tode des Vaters als Hebamme tätig war. Martin hätte es sich nicht träumen lassen das er einmal in aller Munde sein sollte, das die Zeitungen über ihn schrieben, der im Zivilleben ein schlichter Arbeitsmann war. Er war einer von den Mitbürgern bei denen es, wie im Kirmeslied, heißt: „nicht Stand noch Rang noch Name zählt“.
Von der aktiven Militärdienstzeit in Koblenz kehrte er als Spielmann und Tambourgefreiter zurück, und in diesem Metier wurde er endgültig heimisch. Sein Tambourkorps avancierte zum Spitzenkorps des Neusser – Bürger – Schützen – Vereins, mit dem Martin Limburg zeigte, wie man einen Parademarsch hinlegte „Wenn er von dem unteren Marktende in höhe des Kaufhauses, später des Museums, anrückte, hielten die Zuschauermassen schier den Atem an, weil sie wussten: Gleich knallts – und wie es knallte.
Martin Limburg, der zuvor Leutnant bei den Grenadieren war, wurde schnell der Liebling der Schützen und Besucher des Neusser Heimatfestes. Wie ein Chronist vermerkte, stand er auf dem Markt: „wie aus Erz gegossen“.
Martin Limburg war einer der markantesten Figuren des Neusser-Schützenfestes.
Er war einmal das Vorbild aller Neusser Tambourmajore. Martin Limburg, ein Musterbeispiel an Schneit und Können auf seinem Gebiet, der mit seinem Tambourkorps die Massen auf dem Markt begeisterte.

Der 1.Weltkrieg

Aus der Zeit des 1.Weltkiegs liegen uns keine Dokumente oder Berichte vor.

Die Zeit nach dem Krieg:

Als nach dem 1.Weltkrieg auch die Kriegswaffen bei der belgischen Besatzung abgeliefert werden mussten brachte Martin Limburg es nicht übers Herz, sich von seinem Prachtstück von Säbel zu trennen.
Eines Tages fand Mann das gefährliche Stück bei einer Haussuchung, und Martin musste 14 Tage in Krefeld absitzen.
Als 1920 ein Schützenfest in bescheidenem Rahmen genehmigt wurde, verlangte der Ortskommandant das ihm vorher die Uniformen der Chargierten und Tambourmajore vorgeführt wurden.
Der bei den Tambourmajoren übliche „Preußische“ Helm mit Federbusch sollte einem Bonaparte weichen. Martin stach der Hafer.
Er legte seine Paradeuniform an, bestellte einen luxuriösen Zweispänner und fuhr vor die Belgische Kommandantur „en de wisse Scholl“ hinter der Münsterkirche.
Zwei Posten mit Gewähr bei Fuß wurden aufmerksam, als er eintraf. Das sieht nach einem hohen ausländischen Offizier aus, werden die beiden gedacht haben. Martin steigt aus, blitzende Uniform strammste Haltung, hoch erhoben den Neusser Dickkopf und siehe da: die beiden Posten reißen die Hacken zusammen und präsentieren das Gewehr. Meint Martin im vorbeigehen: „Lot mar , ech komm och esu eren“.
Der belgische Kommandant nahm die Sache von der praktischen Seite: ihm gefiel der Kerl und forderte ihn auf in die belgische Armee einzutreten. Martin aber entschied sich für die Armee von Oberst Quirin Beckers vom Büchel und für seine Majestät den Neusser Schützenkönig Jakob Wirtz, der seit 1913 regierte. Martin winkte ab und sagte er sein ein Deutscher.
Martin Limburg hatte nicht mehr lange Freude an seinem geliebten Schützenfest. Schon 1922 musste Martin Limburg aus Gesundheitsgründen auf die Teilnahme am Schützenfest verzichten. Wilhelm Klaff führte das 1. Neusser Tambourkorps für den erkrankten Martin Limburg über den Markt. Schweren Herzens saß Martin bei der Königsparade auf dem Balkon der Wirtschaft Kraus. Dieses Bild nahm er mit auf sein Krankenlager, das er nicht mehr verließ.
Kurz vor seinem Tot träumte er noch von der Parade „Jong“ sagte er leise „do hann ech och noch ens Parade jeklop, so schön woret noch nie…“. Zehn Minuten später war Martin Limburg nicht mehr.
Am 10. März 1923 vernahmen die Neusser, das ihr Limburgs Tünn die Augen für immer geschlossen hatte.

Das Begräbnis von Martin Limburg war eins der größten, was Neuss je gesehen hatte. Die N G Z konnte die Nachricht vom Tode Martin Limburg nicht bringen – sie war von der Besatzungsmacht verboten. In Nachrufen in der Neusser Zeitung betrauerte der Neusser-Bürger-Schützenverein den Heimgang seines langjährigen 1.Tambourmojors, das Grenadiercorps sein Vorstandsmitglied und die anderen Neusser Tambourkorps den Senior – Tambourmajor der Neusser Spielleute und guten Kameraden.
Angesichts der großen Beliebtheit des Verstorbenen und Angesichts der allgemeinen Situation und der Stimmung in der Bevölkerung war es kein Wunder das sein Begräbnis zu einer Demonstration wurde. Die Neusser bereitetem Ihm ein lokales Staatsbegräbnis.
Vom Sterbehaus in der Büttger Straße, berichtet die Neusser Zeitung, bis zum Grabe an der äußersten westlichen Seite des Friedhofes bildeten eine unüberschaubare Menschenmenge Spalier für den riesigen auf 800 Meter geschätzten Trauerzug, der sich unter dem ständigen dumpfen Trommelwirbel zahlreicher Tambourkorps die Ryhdter Straße hinunter bewegte. Ein Ereignis, das uns unvergessen geblieben ist wie das Andenken von „Limburgs Tünn“ im Neusser Tamburkorps und bei den Neusser Schützen.
Ein großer Mann ging von uns.

Nach dem Tode von „Limburgs Tünn“ übernahm im Jahre 1923 Wilhelm Klaff das Korps, er wurde aber schon bald von Peter Monz abgelöst. Das Neusser Tambourkorps ist noch im Besitz eines Tambourstabes aus dem Jahre 1926 von ihm. Er hat all die Jahre mit Höhen und Tiefen überstanden und auf den das Korps besonders Stolz ist.

Im Jahre 1929 nach dem Schützenfest wurde Jakob Bongartz Nachfolger von Peter Monz. Jakob Bongartz blieb dem Korps 25 Jahre in Treue verbunden.
Er führte das Korps mit all seiner Kraft lange Jahre über den Neusser Markt und war der Dienstälteste Major im 1. Neusser Tambourkorps. Er stand den bis dahin gewesenen Majoren in nichts nach. Sein Ansehen stieg von Jahr zu Jahr immer mehr. Er war ein Major dem sich die Spielleute anvertrauen konnten, und ein wunderbarer Kamerad.

Der 2.Weltkrieg:

Ein dunkles Kapitel in der Geschichte fing an.
Im August 1939 fand das Schützenfest ein abruptes Ende. Der Fackelzug am Samstag fand dennoch riesigen Zulauf; es war als wollten sich die Menschen angesichts der ungewissen Lage noch eine Freude gönnen und sich über den Ernst der drohenden Entwicklung hinweg täuschen. Die Zeitungen quollen über vor Begeisterung; sie durften natürlich nicht berichten, das von den verpflichteten Militärkapellen nur eine einzige angetreten war, und diese in Feldmarschmäßiger Ausrüstung. Der volle Ernst der Lage war nicht länger zu leugnen. Als am Festsonntagmorgen, während die Korps zur Parade aufmarschierten, Gestellungsbefehle und Lebensmittelmarken zugestellt wurden. Eltern holten ihre Söhne aus den Zügen heraus, andere verheimlichten den Schicksalsbrief so lange wie möglich, um die letzte Freude nicht vorzeitig zu trüben. Aber unter dem Zwang der Verhältnisse verebbte die Freude sehr bald. Am Montag fielen die Umzüge aus, die Festsäle verwandelten sich in Truppen Sammelstellen, wer von den Neussern sich am Ort stellen musste, trug schon am Dienstag an stelle des heiter bunten Schützentuches Feldgrau. Viele Mütter brachen in Tränen aus. Es war ein trauriges Schützenfest.
Der zweite Weltkrieg begann.

Es vergingen neun lange Jahre. Es war die längste und folgenschwerste Unterbrechung die der Verein in den Jahren seines Bestehens hinnehmen musste.

Die Zeit danach:

Nachdem der zweite Weltkrieg beendet war und der Aufbau unserer geliebten Vaterstadt wieder begann, wurde dem Korps zwei Jahre später am 08.10 1947 von der Militärregierung die Erlaubnis erteilt ein Pfeifer und Trommelkorps zu gründen, zur Wiederbelebung des Vereins. In den Ruinen glimmte wieder ein Hoffnungsfunken.
Ein Jahr vorher schon 1946 zeigten sich „an de höf“ die erste weißen Kirmeshosen wieder.

Im Jahre 1948 fand das erste Schützenfest nach dem Kriege, im kleinen Rahmen statt. Durch die Verhältnisse bedingt, wurde ausnahmsweise am Schützenfest Samstag vor dem Fackelzug auf den Königsvogel geschossen. Die Neusser atmeten auf. Denn man konnte wieder unser geliebtes Schützenfest feiern, auf das man so lange hat warten müssen. Es ging wieder bergauf.

Unser damaliger Major Jakob Bongartz führte unser Korps wieder über den Markt. Es wurde erlaubt bei den Umzügen anstatt Gewehre und Degen, Reitpeitschen und Holzgewehre als Waffenersatz mit zuführen.

1950 Veranstaltete das 1. Neusser Tambourkorps, aus Anlass des 47 Stiftungsfestes einen Tambour Wettstreit. Laut Aufzeichnungen und Probelisten von damals kann man davon ausgehen das im Jahre 1952 zum ersten male im Neusser Tambopurkorps der Zapfenstreich unter der Leitung von Jakob Bongartz gespielt wurde.
Major Jakob Bongartz legte am 13.05.1954 sein Amt nieder. Er wünschte dem Korps für die Zukunft Einigkeit und alles Gute. Sein Entschluss war endgültig.
Ab Juni 1954 wurde das Korps von Quirin Deuss angeführt, der das Amt des Majors fünf Jahre inne hielt. Der Tambourstock von Quirin Deuss ist auch heute noch in unserem Besitz.

Rolf Fuhrmann verließ 1959 das Nordstädter Tambourkorps und übernahm das 1. Neusser Tambourkorps im Jahre 1960 und führte es in vorbildlicher Weise lange Jahre über den Markt. In den 70er Jahren hatte das Korps große Nachwuchssorgen, die ganze Energie des Vereins wurde aufgeboten, dies abzuändern. Aber nach einigen Jahren konnten neue und junge Leute wieder für das Neusser Korps gewonnen werden, so dass seit 1979 keine Nachwuchssorgen mehr existieren.
Als 1982 die Neusser Bürger erfuhren, das es das letzte Jahr ist wo Rolf Fuhrmannn das 1. Neusser Tambourkorps über den Markt führt, wurde er Sonntags bei der Königsparade mit Ohrenbetäubendem Beifall begrüßt. Die Neusser mochten ihn. Er kann auf eine wunderbare Zeit zurück blicken. Denn er stand dem Neusser Tambourkorps 22 Jahre als Major, Freund und guter Kamerad in allen dingen zu Verfügung. Rolf Fuhrmann ist auch einer der Großen des Korps. Er ist der dienstälteste Major hinter Jakob Bongartz. Es gibt nicht viele im Neusser Tambourkorps aber er zählt mit zu den großen Männern die Geschichte im Neusser Tambourkorps geschrieben haben. Er wurde vom Korps 1989 zum Ehrenmajor ernannt.
Das Amt von Rolf Fuhrmann übernahm 1982 Peter Stickel. Er führte die auf Nachwuchs ausgerichtete Arbeit von Rolf Fuhrmann fort und konnte dadurch zum ersten male mit einer Korpsstärke von 44 Mann über den Markt Marschieren.
Aufgrund einer Hüftoperation musste Peter Stickel 1984 für ein Jahr pausieren, und der Vize Major Robert Mattheisen übernahm das Amt. Nach seiner Krankheit verlor Peter Stickel das Interesse am Neusser Tambourkorps und widmete sich anderen Dingen zu. Da man aber einen zuverlässigen Mann an der Tambourkorpsspitze brauchte, wurde Peter Stickel am 1.1.1987 als Major im Neusser Tambourkorps abgesetzt. Er und weitere 13 aktive Spielleute verließen das Korps.
Daraufhin übernahm unser damaliger Vize Major Robert Mattheisen das Korps am 20. 01.1987 als Major das er bis in heutiger Zeit hervorragend führt.
Seitdem gibt er in Traditionellem Bewusstsein die Stockzeichen für die Trommler und Pfeifer
Im Jahre 1990 spielten wir unter der Leitung von Major Robert Mattheisen im Neusser Schützenzelt wieder einen Zapfenstreich, den letzten spielte das Neusser Tambourkorps vor 38 Jahren 1952.

Schützenfest 1992 Neuss Fuhrt war ein besonderes Jahr für uns. Unser Gönner und langjähriges Mitglied Harry Ganske stiftete dem Korps einen 2 stöckigen Schellenbaum. Auf den wir sehr stolz sind.

So vergingen die Jahre und das Tambourkorps erfreute sich an immer mehr Zuwachs.
1995/96 ging das Korps schon mit 43 Aktiven über den Markt. Mann holte uns gerne zu Veranstaltungen z.B. Krönungen, Polterabende, Geburtstagsfeiern und natürlich Schützenfeste. In erster Linie haben wir dieses auch der guten Führung und dem Vorstand zu verdanken, bei denen die Aktiven und Passiven in guten Händen waren. 1996 studierten wir ein Potpourri ein, mit bestimmten Neusser Liedern. Egal wo wir auftraten, wollte die Leute immer dieses Musikstück hören, wo Mann so kräftig mitsingen konnte. Das Musikstück „Neusser Schützenlieder“ war in aller Munde.

Die Jahre kommen und gehen und das Korps hat schon viele Freunde und Kameraden zu grabe tragen müssen. Man kann den Lauf der Dinge nicht aufhalten so gern man es möchte aber sie bleiben in unseren Herzen und man denkt an die schönen Zeiten mit ihnen zurück.
Wir werden versuchen noch lange Jahre, im Andenken an unsere Gründer und verstorbenen Kameraden, dieses Korps mit Stolz aufrecht zu erhalten.

Denn wir lieben unser 1.Neusser Tambourkorps

Fassung von November 2003, Zusammengetragen von Albert Nelles, Bearbeitet von Andreas Meding.
Eine überarbeitete Fassung ist in unserer Festschrift zum Jubiläum erschienen, Bearbeitet von Alexander Abel.